Begrüßung fällt zu überschwänglich aus

Ich lebe in Griechenland und habe einen Hund aufgenommen, 1,5 Jahre alt, welche seine Besitzerin aussetzen wollte. Er war sehr einsam und nicht verwöhnt. Erst einmal habe ich ihn im Garten installiert (da ich auch einen Kater habe, musste ich vorsichtig vorgehen) und seit einer Woche habe ich ihn in der Wohnung. .....

Konkretes Problem: Vor Freude fällt er jeden an und ist nicht zu bändigen. Er gehorcht auch nicht immer. Wenn mein Mann kommt oder Besuch klingelt, ist er so aufgebracht und hüpft vor Freude unablässig an die Leute ran, dass er stört. Dabei ist er eindeutig in Spiellaune. ..... Ich arbeite zu Hause und bei mir gibt es kein Problem, da wir viele Stunden gemeinsam verbringen. .....

Ich möchte, dass er mir gehorcht, aber wahrscheinlich ist er zu alt dafür - oder?

Antwort:

..... Sie schreiben: “.... ist er zu alt dafür - oder?” Mein spontaner Gedanke: “Ja so ein Blödsinn!” Hunde sind nach meiner Erfahrung bis ins hohe Alter lernfähig, aber die Geschwindigkeit, mit der sie lernen, nimmt natürlich ab. Das ist ziemlich ähnlich wie beim Menschen. Ebenso gibt es Hunde, die so nach eingespielten Regeln zu leben gewohnt sind, dass Neues gar nicht mehr zu ihnen durchdringt - es gibt auch solche Menschen. Zu diesen Hunden gehört Ihrer offenbar nicht - freut er sich doch über jede/n Neuen. .....

Auf der einen Seite verstehe ich gut, dass ein Hund, der bisher einsam und wenig verwöhnt lebte, jetzt vor Freude jedem um den Hals fallen möchte - von daher möchte ich vor allem zu Geduld raten, denn er hat vieles nachzuholen. Auf der anderen Seite ist es der Rudelführer, der in der Regel die sozialen Kontakte des Rudels bestimmt - und somit müssten Sie konsequent dagegen vorgehen. Die Wahrheit wird wahrscheinlich irgendwo in der Mitte liegen und letztlich eine Gratwanderung darstellen: ihn einerseits so viel (nachholen?) lassen, wie für ihn gut ist - ihn andererseits klar in seine Schranken weisen, weil Hunde, wenn sie unter sich bleiben, nach recht rigiden Regeln leben. Für diese Gratwanderung kann ich Ihnen nur viel Sensibilität wünschen, denn aus der Ferne lässt sich dazu wenig mehr sagen.

Was insgesamt helfen könnte, wäre ein Zusammenspiel verschiedener Methoden:

1. Eine verhaltenstherapeutische Methode wäre: unerwünschtes Verhalten unterbrechen - so früh als möglich. Wenn Ihr Hund loslegt, ist seine ganze Aufmerksamkeit auf den Grund seiner Freude ausgerichtet - eine Unterbrechung beendet diese einseitige Ausrichtung zumindest kurzzeitig. kurzzeitig meint, dass an dieser Stelle etwas anderes ihm wichtiger werden kann (was nicht geschähe, bliebe seine Aufmerksamkeit auf den Besucher gerichtet). Wenn es also gelänge, sein unerwünschtes Verhalten frühestmöglich zu unterbrechen, wäre dies der Ansatzpunkt, erwünschtes Verhalten aufzubauen.

Dazu sollten Sie dann den Ansatz der positiven Verstärkung wählen und jeden Ansatz des erwünschten Verhaltens belohnen. Hier würde ich jetzt von dieser Standardmethode abweichen, denn ich vermute: Ihr Hund hat einfach noch nicht begriffen, wie er seine Freude weniger störend ausdrdücken kann – ich halte es also für ein Lerndefizit. Ich würde also in der Situation konsequent und streng das unerwünschte Verhalten so abbrechen, wie es ein Rudelführer täte, dann aber Maxi zeigen, wie man Freude auch ausdrücken kann: man setzt sich vor den Besucher, man wirft sich vor ihn hin, man drückt sich an sein Bein, man beschnüffelt seine Schuhe, man rennt durch die Wohnung, man holt sein Spielzeug – und ab dieser Stelle ist das Problem gelöst.

„Zeigen“ heißt: machen Sie es ihm vor, drücken und schieben Sie ihn in die entsprechenden Haltungen, rennen Sie mit ihm durch die Wohnung zu Spielzeug, ...... – wenn Sie sich dabei albern vorkommen, denken Sie kurz daran: das Bewegen und Tun ist für Lauftiere wie Hunde elementares Ausdrucksmittel – Sie nutzen also seine angeborene Sprache, die er besser versteht als alle menschlichen Worte.

Den sozialen Kontakt nimmt in einem Rudel zuerst der Rudelführer auf. Er verhindert, dass ein anderer (vor allem ein junger oder in der Hierarchie weiter unten stehender Hund) dies übernimmt. Um einen Hund von etwas fern zu halten - z.B. einem anderen Hund oder einem Menschen - wendet der hündische Rudelführer das Abdrängen oder Anrempeln an: entweder im Schulterbereich wegdrücken oder wegstossen. Aber dazu müssen Sie schnell genug in die Situation eingreifen. ..... Und dieses Verhalten müssen Sie konsequent und streng jedes Mal zeigen, wenn er seine ungestüme Freude auslebgt. Konsequenz ist zwischen Hunden wesentlich wichtiger als in einer menschlichen Erziehungsbeziehung - Inkonsequenz könnte in einem Rudel den gesamten Zusammenhalt und damit das Überleben gefährden. Hunde haben das “in den Genen” - nutzen Sie es, sprechen Sie auch auf dieser Ebene die Sprache Ihres Hundes.

“Streng” meint, dass Sie sich mit den Verhaltensweisen vertraut machen sollten, mit denen ein Rudelführer einem anderen Hund zeigt, dass er etwas unbedingt bleiben lassen soll. Verstößt ein Rudelmitglied massiv gegen Regeln, stürzt sich der Rudelführer laut knurrend auf ihn, stößt ihn um und verharrt - zum Zubeißen bereit - mit aufgerissenem Rachen knurrend über seiner Kehle. Genau das sollten Sie ggf. ausführen mit einem Unterschied: Ihre Hand packt kräftig das Kehlenfell, während Sie nur Ihren Kopf dicht über die Kehle beugen. Falls Sie bisher auf knurren, wuffen, brummen und bellen als Kommunikation verzichtet haben: üben Sie vorher, sonst kringelt sich Ihr Hund vor Lachen! ......

Vorstufen zu der geschilderten Unterwerfung sind: strenges Anschauen - anschauen und knurren - aufrichten, anschauen und knurren - drohend näher kommen, anschauen und knurren.

Mit diesen zwei Punkten haben Sie zunächst einen Ansatz, das Verhalten mittels hündischer Verhaltensweisen zu unterbrechen und anschließend ein anderes Verhalten durch Vormachen einzuleiten - wenn Sie beides ausgewogen kombinieren, wird sich das Verhalten Ihres Hundes bald ändern. ......

Rückmeldung:

..... Ich habe viel Hilfe bekommen, Ihre mit eingeschlossen, und dann ging es ziemlich schnell. .... Jetzt kann ich sagen: das Tier hat sehr an Einsamkeit und Vernachlässigung gelitten, deshalb hat es bei jedem Besuch - selbst wenn mein Mann abends heimkam - verrückt gespielt. .....

Unterbrechung seiner Aufmerksamkeit hat bei Freunden, die ich vorher informiert habe, ihn einfach zu ignorieren, gewirkt: Er bekommt ein Leckerli oder ein Spielzeug, wenn jemand kommt, und ist im Nu abgelenkt. ..... Was bei ihm wirkt, wenn er sich daneben benimmt, ist ihn sehr streng in die Augen zu sehen und mit dem Finger zu drohen. ......

Er ist sehr klug und lernt im Nu, .........