Bellen im Garten, Hund dominant

Wir wohnen in Spanien ...... und habe mir einen etwa 1 1/2 jährigen Mastin von der Strasse geholt. Der Hund hat sich nach jetzt 10 Tagen gut eingelebt ...... Jetzt mein Problem: Er hat natürlich einen sehr stark ausgeprägten Freiheitsdrang und so wollte ich ihn jetzt auch im Garten schlafen lassen, da ich mir mittlerweile sicher bin, dass er nicht mehr wegläuft bzw. von selbst wiederkommt. Allerdings bewacht er nicht nur das Grundstück, sondern die ganze Strasse und hat die Nacht nicht aufgehört zu bellen. Wegen der Nachbarn habe ich ihn letztendlich hereingeholt. .......

Sein Dominanzverhalten ist überdurchschnittlich groß, sowohl Hunden als auch mir gegenüber. ...... Mir gehorcht er generell nur, wenn ER will. Hole ich ihn ins Haus, jault und winselt er unaufhörlich. ...... Er hat ein Jahr auf der Strasse und ohne Besitzer gelebt. Als er noch auf der Strasse lebte, fiel mir einmal auf, dass er einen kleinen Park, in dem er sich viel aufhielt, gegen den Gärtner “verteidigte”, d.h. er ließ ihn nicht aus den Augen und bellte unaufhörlich. .......

Antwort:

Zunächst zu dem, was ich Ihren Infos entnahm:

.... Ihr Hund ist ca 1,5 Jahre alt; demzufolge hatte er - trotz Dominanzverhalten - in dem Rudel einem Rudelführer zu gehorchen. Ein Rudelführer ist der Hund, der durch seine Fähigkeiten am besten das Überleben des Rudels gewährleisten kann. Ihm fehlen - altersgemäß - wesentliche Fähigkeiten (die er sicher lernen würde und kann), um Rudelführer zu sein - er müsste erst noch “Lehrzeit” absolvieren. Er gehorcht unzuverlässig, er macht, was er will - spielt sich ein wenig als Rudelführer auf. ..... Er kann noch nicht abschätzen, wie er auf Ereignisse, die vor oder im Revier geschehen, reagieren sollte: anzeigen, angreifen, kurz melden, ignorieren, weiterschlafen, ..... - oder war er etwa schon Rudelführer???

Erlösen Sie ihn von dem Druck, Rudelführer sein zu müssen. Zudem sollten Sie selbst (dauerhaft) Rudelführer sein - Sie tun Ihrem Hund und sich selbst einen Gefallen damit.

..... Verhalten Sie sich wie ein Rudelführer: Sie bestimmen “wo’s langgeht” und nicht er. Sie bestimmen, wo die Lagerstätte fürs nächtliche Schlafen ist - nicht er. Zeigen Sie ihm mit Ihren menschlichen Fähigkeiten, dass Sie als Rudelführer besser geeignet sind, weil Sie mehr “wissen”. Lassen Sie ihn die Abenteuer einer Stadt erleben: fahren Sie mit ihm Linienbus, zeigen Sie ihm, wie man in ein fremdes Auto einsteigt, steigen Sie mit ihm Treppen (auch die verunsichernden Gitterrosttreppen), ...... . Nutzen Sie zufällige Gelegenheiten: Wenn irgendwo in einigen Metern Entfernung etwas (gefahrlos) Essbares auf dem Boden liegt, bleiben Sie kurz stehen, schnüffeln Sie, schauen Sie das Essbare an, gehen Sie mit ihm hin und erlauben Sie ihm, es zu fressen. .......

Sie merken: dies sind alles Situationen, in denen Sie überlegene Fähigkeiten zeigen, wie sie ein Rudelführer haben muss - und er hat sie (noch) nicht. Sie demonstrieren damit auf ganz hündische Weise, dass Sie zu Recht Rudelführer sind. ...... So müssten Sie in relativ kurzer Zeit die Hierarchie klären können. Gleichzeitig sollten Sie ihm erklären, wie das gemeinsame Revier (damit meine ich den Garten) beschaffen ist und nach welchen Regeln man es bewachen muss.

Er muss also die Reviergrenzen genau kennen. Gehen Sie mit ihm täglich die Grenzen ab, zeigen Sie ihm markante Punkte (wobei für einen Hund “zeigen” meint, dass Sie diese Stellen interessiert beschnüffeln). Um klarzumachen, dass dies IHR Revier ist, können (optional, viele schrecken davor zurück) Sie die Reviergrenzen durch Spritzer Ihres eigenen Urins markieren (also nicht ER markiert das Revier, sondern der Rudelführer). Damit entlassen Sie ihn auch aus der Gesamtverantwortung für das Revier.

Erklären Sie ihm, was bedeutungslose Vorfälle sind. Dazu gehört, dass er alle Nachbarn kennenlernt ......

Nun habe ich einige Male von Zurechtweisen gesprochen. Ich meine damit die Methoden, die zwischen Hunden genutzt werden:

- anrempeln und abdrängen: Der Rudelführer stösst den anderen Hund zur Seite (rempelt ihn Schulter gegen Schulter weg), versperrt ihm den Weg und die Sicht
- scheinschnappen: Der dominante Hund schnappt gezielt nach dem anderen so, dass seine Zähne (oft mit lautem Geräusch) ins Fell des anderen tauchen, ohne jedoch zu verletzen. Als Mensch können wir dies imitieren mit der Hand: 4 Finger oben, der Daumen schnappt von unten zu. .....
- Weg versperren: ein Vorrecht des überlegenen Hundes!

Rückmeldung:

..... Wie ich kürzlich erfahren habe, ist er wohl doch schon 2,5 bis 3 Jahre alt und war tatsächlich Rudelführer. Das mit dem Bellen hat sich normalisiert. Er tendiert zwar noch dazu, aber nachts ist er jetzt ruhig. Er gehorcht auch schon besser. Im Haus winselt er jetzt auch nicht mehr. ...

Ich glaube, das Anrempeln und den Weg versperren hat wohl am meisten Wirkung gezeigt. ....