Bitte werden Sie präzise!

Wenn mir ein Problemverhalten geschildert wird, bin ich zuweilen überrascht, wie ungenau Menschen das Problem und das Umfeld beschreiben können. Manchmal stelle ich nur Fragen und das Gegenüber kommt schon selbst auf neue Ideen - manchmal muss ich einfach auch mitteilen, dass ein Rat nicht möglich ist, weil die Informationen zu ungenau sind.

Vielleicht geht es Ihnen ähnlich, wenn Sie meinen “Fragenkatalog” lesen: Vielleicht kommen Ihnen dabei schon weitere Ideen, wo die Lösung liegen könnte - vielleicht merken Sie, dass Sie selbst noch gar nicht alle Informationen haben. Aus diesem Grund drucke ich hier Fragen ab, die ich für wichtig halte, wenn es um die Beschreibung eines Problemverhaltens bei einem Hund geht:

1. Angaben zum Hund: Alter, Rasse, Geschlecht, seit wann bei Ihnen, Vorbesitzer, ....

2.a Was ist das konkrete Problem in einem einzigen Satz!
2.b Bestand das Problem schon immer?
2.c Wenn es nicht immer bestand: wann trat es erstmals auf? Gab es damals irgendwelche Veränderungen in der Lebenssituation, die im ersten Moment vielleicht gar nichts mit dem Hund zu tun haben?

3. Beschreiben Sie bitte eine typische Situation, in der das Problem auftritt.

4. Wie wirkt der Hund in dieser Situation - beschreiben Sie bitte die von Ihnen beobachteten Merkmale möglichst detailliert! Gehen Sie dazu vielleicht an folgenden Fragen entlang:
Welchen Gesamteindruck vermittelt der Hund? (übermütig, gereizt, unsicher, in Spiellaune, ....) - Woraus leiten Sie diesen Gesamteindruck ab? - Welche Signale “sendet” der Hund? (Haltung von Kopf, Ohren, Schwanz - Körperspannung - Gesten mit Pfoten, Kopfbewegungen, ...... - bitte möglichst detailliert)

5.a In welchen Situationen tritt dieses Verhalten regelmässig auf? Was muss alles zusammen kommen, damit dieses Verhalten in vollem Umfang auftritt?
5.b Wann trat das Verhalten in einer ansonsten vergleichbaren Situation nicht oder weniger stark auf? Welche Unterschiede zu anderen Situationen bestanden dabei (sofern Sie sie wahrnehmen konnten)?

6.a Wie haben Sie bisher auf das Problemverhalten reagiert? Warum so und nicht anders (oder: Welche “Hypothesen” haben Sie, was Ursache des Problems sein könnte?)?
6.b Falls Sie nicht immer gleich reagiert haben: Welche unterschiedlichen Reaktionen haben Sie schon “getestet”? Was war jeweils Ihre Idee, warum Sie diese Reaktion erproben wollten? Gab es einen Unterschied im Verhalten des Hundes?
6.c Falls Sie immer gleich reagiert haben: Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten es mit einem Menschen zu tun, der nicht sprechen kann und unsere üblichen Signale (Kopfnicken etc) nicht beherrscht - welche Ursachen für so ein Verhalten würden Sie bei einem Menschen in Betracht ziehen und wie könnten Sie diese Schritt für Schritt testen?

7. Beschreiben Sie bitte kurz die Rahmenbedingungen, unter denen Sie mit dem Hund zusammenleben: Wohnung/Haus? Garten? Auslauf? Wieviele Stunden täglich ist der Hund allein? Wer gehört noch alles zum “Rudel”? Wem gehorcht der Hund am besten? Wessen Anweisungen befolgt er fast nie? Wie stark befolgt er Ihre Anweisungen? Wie ist die Hierarchie Ihres Rudels und woran merken Sie dies?