Angst vor dem Einsteigen - Speichelfluss

Wir haben unseren 2 Jahre alten Hund vor 4 Wochen aus dem Tierheim abgeholt. Schon da wollte er nicht in das Auto einsteigen. Die Pflegerin setzte ihn hinein und wir fuhren nach Hause. Während der Fahrt speichelte er sehr. Auf Anraten des Tierheimes füttern wir ihn jetzt im Auto. Zum Fressen geht er jetzt ohne Zögern ins Auto. Wollen wir aber wegfahren, ziehen wir ihn ins Auto. Wir fahren nur Kurzstrecken und gehen mit ihm im Wald spazieren. Nach dem Spaziergang steigt er sofort und ohne Zwang ins Auto. Die ganze Fahrt über läuft jetzt wieder der Speichel ......

Antwort:

.... Ich musste schmunzeln, als ich las, dass sie ihn im Auto jetzt füttern. Sie kennen das Pawlowsche Experiment? Er klingelte immer, bevor er den Experiment-Hunden Futter gab. Nach einiger Zeit konnte er feststellen, dass als Automatismus der Speichelfluss nach dem Klingeln auch einsetzte, wenn kein Futter gegeben wurde. Wenn es nach diesem Experiment geht, wird der Speichelfluss auch einsetzen, wenn der Auslösereiz (Anblick des Kfz-Innern) auch ohne Futter da ist. Wenn Pawlow Recht hat, ist die Idee nicht ganz zielführend.

Um den Hund ans Auto zu gewöhnen, hilft die Idee - aber Sie sollte auch rechtzeitig wieder damit aufhören.

Für mich hört es sich so an, als habe der Hund irgendeine Angst oder Aufregung, wenn er Zuhause ins Auto steigen soll. Für den Rückweg nach dem Spaziergang scheint es nicht zu sein.

Ich würde mit diesen Fakten “herumspielen”:

Wo fährt er mit? Bei den meisten Autos im Gepäckbereich. Wie reagiert er, wenn er (versuchsweise) zum Mitfahren auf einen Sitz gebracht wird? Wenn’s dann leichter geht, machen Sie das einige Zeit, fahren aber nur 100 Meter weit, laufen ein paar Mal mit ihm ums Auto (Imitation eines Spazierganges) und lassen ihn hinten einsteigen. Vielleicht zeigt er dann das Verhalten, das Sie bei der Rückfahrt schildern (auch wenn die eigentliche Fahrt erst vor ihm liegt).

Vielleicht kommen Sie noch auf andere Ideen nach dem Grundmuster: “Ich bringe ihn in die Rückfahrt-Situation, auch wenn wir erst am Anfang der Fahrt sind.”

Sie schreiben, dass Sie nur Kurzstrecken fahren. Auch das würde ich deutlich ändern. Allerdings braucht er dazu eine gemütliche Liegestelle im Auto - also eine etwas dickere Decke, die nicht bei jeder Kurve herumrutscht. Die Grundidee hierbei heißt: ein schlafender Hund sabbert nicht viel - und irgendwann wird er auch im Auto müde sein.

........

Und vielleicht müssen Sie auch an seltenere Erscheinungen denken. Üblicherweise sagen viele, man solle Hunde vor Fahrt nichts zu Fressen geben, weil sie sich sonst übergeben - bei meiner Tura ist das genau andersherum: wenn die nicht ganz normal ihr Futter bekommt, muss ich nachher das Auto putzen. Wenn er besonders nervös ist, könnte Speichelfluss auch auf beginnende Übelkeit hinweisen oder tatsächlich auf Hunger.

Rückmeldung:

.... Wir füttern ihn nun nicht mehr im Auto. Wenn wir losfahren wollen, fahren wir das Auto von unserem Hof auf einen nahegelegenen Parkplatz an der Straße und holen erst jetzt unseren Hund. Er steigt tatsächlich ohne Probleme in das Auto ein. Er hat sich sogar beim Fahren hingelegt, was er sonst nie tat. Dieses “sich hinlegen” wurde auch von dem Beifahrer gebührend mit Streicheln und Loben belohnt, und ich denke, auch das hat er begriffen.

...... Also am Hunger kann es nicht liegen. Wir werden jedenfalls noch weiter mit ihren Anregungen herumspielen und diese Erfahrungen an Sie weiterleiten.