Dominanzverhalten in Rudel / Familie

(Die geschilderte Beratung erfolgte teilweise telefonisch, Aufschriebe direkt nach den Gesprächen)

Zwei Schäferhündinnen, eine ca 7 Jahre, die andere ca 2 Jahre alt; Zusammenleben in Haus und Garten in der Regel problemlos, die ältere ist (noch) die “Chefin”; Spaziergänge mit Mann ebenfalls problemlos, auch wenn jüngere Hündin die andere zu dominieren versucht

Problem taucht auf bei Spaziergängen mit Frau: jüngere Hündin wird dominant, teilweise aggressiv gegenüber der älteren, gehorcht der Anweisungen der Frau nur gelegentlich, hat vor wenigen Tagen die Frau sogar angeknurrt

Antwort:

(Antwort erfolgte per Brief)

... Dass hier die Hierarchie aus dem Lot geraten ist, braucht man nicht extra erwähnen: die jüngere Hündin ist in dem Alter, wo sie in einem Rudel “nach Höherem” strebt - und damit müssen Sie (angesprochen ist die Frau) umgehen. Lernen Sie die Sprache Ihrer Hunde sprechen - beginnen Sie mit knurren, wuffen, brummen und bellen!

Das hört sich vielleicht eher belustigend an, ist aber die Umsetzung meines Ansatzes: Als Mensch kann ich schneller die Sprache des Hundes lernen und sie sinngemäß gebrauchen als ein Hund zuverlässig meine Sprache in jeder Situation übersetzen kann. Lernen Sie, sich wie ein Rudelführer zu benehmen. Dazu gehört drohendes Starren, bis er wegschaut, ebenso wie letztlich der ritualisierte Kampf, bei dem Sie die jüngere Hündin. Verstößt ein Rudelmitglied massiv gegen Regeln, stürzt sich der Rudelführer laut knurrend auf ihn, stößt ihn um und verharrt - zum Zubeißen bereit - mit aufgerissenem Rachen knurrend über seiner Kehle. Genau das sollten Sie ggf. ausführen mit einem Unterschied: Ihre Hand packt kräftig das Kehlenfell, während Sie nur Ihren Kopf dicht über die Kehle beugen

Vorstufen zu der geschilderten Unterwerfung sind: strenges Anschauen - anschauen und knurren - aufrichten, anschauen und knurren - drohend näher kommen, anschauen und knurren (bis zu Gegenüberkauern in Augenhöhe mit wenig Abstand). Um einen Hund von etwas fern zu halten - z.B. einem anderen Hund - wendet der hündische Rudelführer das Abdrängen oder Anrempeln an: entweder im Schulterbereich wegdrücken oder wegstossen. Aber dazu müssen Sie schnell genug in die Situation eingreifen können.

Nun habe ich das Spielen genannt: Lernen Sie, Dominanzspiele zu spielen: schnell mit den Pfoten nach den Lefzen patschen, mit der Hand auf der Schnauze seinen Kopf nach unten drücken, ihn umstossen, wegdrücken, die Pfoten wegziehen, ihn am Bauch kurz kneifen, an den Ohren etwas ziehen, ...... - und das alles ganz schnell und ohne Pause. Damit spielen Sie ein Hundespiel, mit dem in einem Rudel zwischen jüngeren und älteren spielerisch die Machtverhältnisse geklärt werden.

Ihre Dominanz (und dass Sie aus gutem Grund der Rudelführer sind) können Sie festigen, indem Sie den Hund in für ihn schwer durchschaubare Situationen bringen - das heißt aber auch: nehmen Sie ihn überall hin mit (und warten Sie damit nicht, bis er besser erzogen ist - Erziehung findet im gemeinsamen Alltag statt). Gehen Sie mit ihm zur Rush-hour in die Fußgängerzone, gehen Sie mit ihm in Restaurants, fahren Sie mit Bus und Bahn, gehen Sie grundsätzlich auf anderen Wegen zum geparkten Auto zurück (so dass er sich beim Rückweg nicht an Geruchsmarken orientieren kann), lassen Sie ihn von LKW-Verladerampen springen, über Gitterrostschächte gehen, ...... - und zeigen Sie mit der Sicherheit, mit der Sie selbst all das tun (bzw. anleiten), dass Sie zu recht Rudelführer sind. ....

Rückmeldung (telefonisch):

Etwa zwei Wochen lang “experimentieren” mit den vorgeschlagenen Kommunikationsmitteln und Spielen.

Dann Spaziergangsituation: jüngere Hündin versucht unentwegt die ältere zu dominieren, reagiert nicht auf Anweisungen der Frau. Einer “Eingebung” folgend rempelt die Frau die jüngere Hündin einige Male an, wenn sie sich der älteren nähert. Beim zweiten oder dritten Mal knurre sie dazu und die Hündin schaue “verwundert”. Das halte sie aber nicht davon ab, einige Meter weiter erst ein Stück “auszubüchsen” und sich dann beim Zurückkommen sofort knurrend auf die Ältere zu stürzen. In diesem Moment habe die Frau sie am Halsfell mit beiden Händen gepackt und zu Boden gestossen und sie in der empfohlenen Weise unterworfen. Sie habe sich nicht mehr geregt, sei mit weit aufgerissenen Augen starr dagelegen. Nach einigen Sekunden habe sich die Frau aufgerichtet und sei mit der älteren Hündin langsam weitergegangen. Die jüngere sei noch über eine Minute zitternd am Boden gelegen, dann sei sie unauffällig hinterher geschlichen. Später habe es dann eine Versöhnung gegeben.

Dieser Anruf erfolgte nochmals knapp zwei Wochen später. Die jüngere Hündin verhalte sich gegenüber der älteren immer noch etwas dominant, aber nicht mehr aggressiv, sie gehorche der Frau aufs kleinste Wort, ohne dabei ständig ängstlich oder unsicher zu wirken. Aber sogar ein starrer Blick genüge nun und sie nimmt eine Demutshaltung an. Die Frau - Hundehalterin seit vielen Jahren - kannte das Unterwerfungsritual, weil sie es schon oft unter Hunden gesehen hatte; jetzt war sie sehr überrascht, wie effizient diese Form einer massiven Ermahnung die Hierarchie wieder hergestellt hatte.