Junger Hund beißt zu fest und tobt zu wild durch die Wohnung

Wir haben vor drei Wochen einen jungen Hund erworben. ...... Er beißt richtig fest zu, wirkt dabei aber gar nicht aggressiv - für ihn ist das wohl ein Spiel oder so was. Aber es tut richtig unangenehm weh. ...... Ganz häufig ist das so, wenn wir von einem Spaziergang zurück kommen. Zuerst scheint er sich über die Rückkehr zu freuen, dann rast er wie wahnsinnig los und ist durch nichts, wirklich durch nichts zu bremsen - und kaum kommt er ein wenig zur Ruhe, beißt er wieder in jede Hand, die sich nähert. ......

Antwort:

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Die Schnauze hat bei Hunden eine dreifache Funktion: einerseits ist sie hochentwickeltes, empfindliches Riechorgan, andererseits ist sie Freßwerkzeug (Messer, Gabel, Löffel, Zähne und Zunge in einem) und letztlich ist sie Ersatz für das, was bei uns Menschen die Hand ist. In Spiellaune sein, einen freundlich duftenden Menschen haben und sich dann an ihn dranhängen - was gibt es Tolleres!

Hat Ihr Hund gelernt, wie fest er einen Menschen im Spiel oder aus Freude halten darf? Das müssen junge Hunde erst lernen: Hundehaut ist wesentlich stabiler als menschliche. Für diese Hypothese spricht, wenn der Vierbeiner auch Ihre Hand manchmal (unabsichtlich) so fest hält, dass es weh tut. Hunde kapieren das Problem recht schnell, wenn man einen Regelkreis aufbaut: die eine Hand dem Hund ins Maul legen, wenn er Lust hat, darauf herum zu malmen, die andere Hand vor dem Hinterlauf dorthin legen, wo das Bauchfell lichter behaart ist. Schleckt der Hund Ihre Hand, wird er gekrault. Hält er sie fest, umfasst die andere Hand einen Wulst der Bauchfellhaut. Drückt er schmerzhaft zu, wird der Druck im gleichen Maße steigend aufs Bauchfell übertragen. Und wenn Sie Autsch! rufen, dürfen Sie ruhig ebenso kräftig zupacken, dass Ihr Hund kurz quietscht (und Sie werden feststellen, dass dazu bei der derben Hundehaut kräftiges Zupacken notwendig ist). Das klingt brutaler als es ist, denn in Wirklichkeit erhält der Hund eine direkte, kontinuierliche Rückmeldung darüber, als wie fest Sie seinen Biss empfinden - und das versteht er sehr schnell.

Welpen untereinander nehmen oft gegenseitig die Pfoten oder Ohren ins Maul und "malmen" drauf herum. Wird's zu fest, quietscht der andere - oder beißt sofort auch mal fester zu. Quietschen passt nicht so recht zum Rudelführer, aber würde wahrscheinlich auch etwas bewirken ("Aua"-Rufe dagegen bewirken nichts, weil der Hund nicht weiß, was "Aua" heißt).

Vielleicht meinen Sie mit "rast durch die Wohnung" eine Verhaltensweise, die teilweise tatsächlich als Welpenrasen bezeichnet wird: da geht die Lebensfreude einfach mit ihnen durch und - eigentlich logisch bei einem Bewegungstier - sie rasen einfach los: im Kreis oder im Zickzack oder von der Küche übern Flur ins Wohnzimmer aufs Sofa und zurück. Vom Hund her gesehen also alles Bestens. Gleich vorweg: es wird immer wieder aus ihm herausbrechen - tragen sie es mit einer gewissen Gelassenheit, es lässt im Laufe der Zeit nach. Aber ein Tipp: Bringen Sie ihn nach dem Spaziergang erst einmal im Garten in Spiellaune (eine Geste zur Spielaufforderung geht so: hinkauern, ihn angucken, mit ausgestreckten Armen gleichzeitig mit beiden Händen auf den Boden patschen) - oft löst ein Rennspiel so einen “Bewegungsanfall” aus und dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ihre Wohnung diesmal verschont bleibt.

Rückmeldung

Ihrem Tipp mit dem Beißen gegenüber war ich sehr, sehr skeptisch. Probiert hab ich es - Motto “Was tut man nicht alles, wenn man verzweifelt ist”. Was soll ich sagen: Es hat geklappt! Vor acht Tagen bekam ich ihre Email - wir haben das insgesamt vielleicht eine Stunde lang geübt - er packt wesentlich sanfter als zuvor zu.

Und dieses “Welpenrasen” hat sich auch gebessert, wenn er noch mal im Garten wie verrückt gerannt ist: Ich mache es, wie Sie es beschrieben haben, dann will er noch mal spielen, aber gleich darauf rast er los .....

Was lerne ich daraus? Ich bestelle Ihr Buch! Danke.